Rhetorikpreis 2011 geht an eine nie gehaltene Rede

22.12.2011

Die Jury der Allgemeinen Rhetorik der Universität Tübingen zeichnet Jean Ziegler aus

Erst eingeladen, dann wieder ausgeladen und dann ins Netz geladen: Jean Zieglers Globalisierungskritik-Rede

Die nie gehaltene Rede "Der Aufstand des Gewissens" des Schweizer Soziologen Jean Ziegler wurde mit dem Rhetorikpreis 2011 ausgezeichnet. Die Jury begründet die Entscheidung mit der zeitgemäßen Kritik und dessen unerwarteten Stils:

"An die Stelle einer festlichen, höchstens an manchen Stellen ein wenig nachdenklichen oder mahnenden Wohlfühlrede, wie sie oft genug gehalten wird, setzt Ziegler einen aufrüttelnden Appell, ja, eine Provokation. Ganz ohne Umschweife beginnt er mit dem Satz: Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind, der dann weitergeführt wird zur ungewohnt deutlichen These: Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet."

Gerade aufgrund dieses Konventionenbruchs wurde diese Rede im Vorfeld der Eröffnung der Salzburger Festspiele nicht zugelassen. Mit der Ausladung von Jean Ziegler wird spürbar, wie sehr die Veranstalter diese Gerechtigkeits- und Gewissensrede fürchteten: "Jean Ziegler macht Großkonzerne und andere gewissenlose Akteure des Finanzkapitalismus für die weltweite Hungersnot verantwortlich und hätte damit auch einen Teil des Festpublikums in Salzburg gezielt angeklagt." so Dr. Anne Ulrich (Allgemeine Rhetorik). acameo gratuliert dem ehemaligen UN-Sonderberichterstatter zu diesem renommierten Preis.

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