Kreation – Adaption – Persiflage

22.08.2011

cogito ERGO sum. Was haben High Fidelity (2000) und der aktuelle ERGO-Werbespot gemeinsam?

Die ERGO-Versicherungsgruppe AG nahm 50 Millionen Euro in die Hand, um das eigene Image zu verbessern und die neue Dachmarke der Hamburg-Mannheimer, der DKV, der DAS und der Victoria in über 30 Ländern zu positionieren. Dafür wurde nicht nur ein Re-Branding durchgeführt, sondern auch die große renommierte Agentur Aimaq|Stolle beauftragt, die nach Angaben von W&V in einem Pitch Jung von Matt, BBDO und DDB hinter sich ließen. Bei einer so großen Agentur, bei einem so immensen Budget, da denkt man sofort an freigesetzte kreative Kräfte, Innovation vom Feinsten, Neues, Neues, Neues. Doch weit gefehlt: Der erste Werbespot gleicht der Schlussszene des Kultfilms High Fidelity (2000, mit John Cusack)  wie einem Ei dem anderen. Sehen Sie selbst:

Doch was passiert, wenn dann auch noch eine reale Sex-Affäre dazukommt? Dann schlägt der Konsument zurück. Es entstehen Dutzende von Persiflagen dieses Werbespots, die auf Videoportale hochgeladen werden. Zum Beispiel dieser hier. Dies könnte man einen Marketing-Fail nennen, doch man könnte diese Adaptionen wiederum positiv für das Unternehmen betrachten, da der Bekanntheitsgrad noch weiter ansteigt - und das war schließlich das Ziel. Die Qualität der Bekanntheit hingegen bleibt weiter fraglich. Der Aktienkurs jedenfalls ist zu Beginn der Kampagne von 95 auf 115 gestiegen, dann aber wieder bis auf aktuelle 105 gefallen. Zumindest ein spannender Fall von kultureller Weitergabe. Der Autor erfindet, der Filmemacher transformiert, die Agentur adaptiert, der Konsument persifliert.

Zurück